Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch

Was heißt das?

Ist denn die Gefahr nicht allgegenwärtig in diesem Leben? Ist es nicht oft zum Fürchten und Verzweifeln: wenn wir nicht mehr weitersehen als bis zum vermeintlichen, schrecklichen Ende?

Dies ist unsere kleine und oft kleinliche Sicht im Leben. Es ist der Spuk, den uns der Verstand in den Sinn treibt. Wenn wir in Hochmut aller Angelegenheiten Herr sein und die Materie bemeistern wollen, wirft uns das auf das Menschsein zurück.

Ein Arzt in leitender Position sagte mir unlängst, als wir im Gespräch über schwierige Nachrichten für Patienten und Angehörige waren: Das alles ist an sich kein Problem, wenn man einen Glauben hat.

Ohne Glaube ist nur Gefahr, das Risiko allgegenwärtig. Es bleibt uns dann ja nichts außer unserer Begrenztheit und Ohnmacht. Beide sind so lange zum Fürchten, wie wir sie allein als Schwäche erleben.

Mit dem Bekenntnis zur Unkenntnis, wie es nun weitergehen soll, wächst das Rettende erst.

Mit der bewussten Unwissenheit über das, was kommen könnte, gehen wir weg vom Katastrophendenken hin zum Gewahrsein für Lösungen und Wege.

Mit dem praktizierten Glauben, der auch in der Anfechtung gelebt werden kann, offenbart sich ein Lebensbogen, der alle irdischen und kleinlichen Niederungen weiträumig überspannt und ausleuchtet. Er lässt Jahrzehnte zu Stunden werden und Abgründe zu schmalen Rissen, die zu übergehen sind.

Ein Sprichwort, dessen Herkunft mir nicht bekannt ist, besagt:

Wenn du ganz unten bist, dann bist du an der Quelle. 

Not macht erfinderisch. Weltlich betrachtet.
Größte Not hinter sich zu wissen, das lässt dankbar werden.

Darum sollen wir schon mitten in der Not danken: der Not zum Trotz.

Dieser Dank ist ein Ausdruck von Glauben, der keine Worte braucht.

Das Rettende wächst – und es wächst über uns hinaus, wenn wir das Zelt der Sorgen wegnehmen, unter dem wir uns verstecken.

 

 

 

Blauer Himmel Zweige

Auferstehung – Ostern 2020

Die Überwindung des endgültigen Sterbens – der Sieg über die Nacht

Auferstehung ist für vermeintlich aufgeklärte Menschen ein schwieriges Thema. Nicht weniger schwierig kann sie für gläubige Menschen sein. Zumal dann, wenn sich der Seuchentod in einer Weise über den Globus ausbreitet, wie ihn der moderne Mensch nicht kennt.

Auch wenn du im Herzen die Hoffnung begraben hast, gib nicht auf.
Papst Franziskus in der Osternacht 2020

Von allen guten Geistern verlassen – und doch unter dem Segen des Höchsten

Die Entstehung der COVID-19-Plage geht auf den Frevel der Menschen zurück. Maßlos und rücksichtslos beuten sie alles aus, erheben sich sträflich über die Schöpfung. Die Schöpfung hat zurückgeschlagen und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Auch und gerade dort, wo sich der Mensch zum Stolz hinreißen ließ und zur Gottlosigkeit, zur Torheit. Müßig mag uns die Frage nach der Gottesstrafe erscheinen; die Antwort erschöpft sich in der Versündigung an den Geschöpfen, durch die der Mensch das Virus auf sich gezogen hat.

Der Schöpfer hat das letzte Wort, das immer wieder Anfang ist

Das letzte Wort hat der Schöpfer. Wie er auch das erste Wort hatte. Und wie er sich immer wieder meldet, wenn es ums Leben geht, um den Neuanfang. Kein Mensch schafft den Neuanfang, wenn ihm das Leben nicht gewogen ist.

Nichts wird uns je deine Liebe zu uns rauben können.
Papst Franziskus in der Osternacht 2020

So ist Ostern 2020 ein stilles Auferstehungsfest. Aus dem Dunkel der Nacht erhebt sich ein stiller Ostersonntag. Das Halleluja erschallt nicht im Chor und nicht im Chorraum.

Das Halleluja im vereinten Solo vieler Herzen

Aus den geplagten Herzen strömt die Sehnsucht, Verkünder des Lebens in Zeiten des Todes zu sein. Denken wir an unser eigenes Galiläa. Genug der Kriege. Wir bedürfen des Brotes und nicht der Gewehre.

Basilika Sainte-Thérèse

Basilika Sainte-Thérèse: Basilica minor in Lisieux in Frankreich

Karfreitag 2020

Karfreitag 2020 – Communio ubique

Karfreitag 2020. Als ob sich der Herr zurückgezogen hätte. Wir sollen ihn suchen

10.04.2020 – Karfreitag 2020: Die Karfreitagsliturgie in der Übertragung von Domradio.de aus dem Kölner Dom. Der Herr kann nicht in seinem irdischen Haus empfangen. Wer ihn sucht, findet seine Nähe auch aus der Ferne. Communio ubique. 

Karfreitag 2020

Karfreitag 2020. Den Herrn suchen und seine Gegenwart erfahren © Screenshot Bild Domradio.de

Der Blick in den fast leeren Kölner Dom steht sinnbildlich für den vorübergehenden Verlust der irdischen Gemeinschaft – mit dem dafür um so stärkeren Fokus auf die alles verbindende Gemeinschaft, die Communio ubique.

Communio ubique

Communio ubique – das ist die Gemeinschaft aus der Ferne. In der Ferne offenbart sich eine unerwartete, wenn auch ersehnte Nähe. Distanzen spielen keine Rolle für den, der allgegenwärtig ist. Allgegenwärtig in seiner Nähe zu den Menschen – und als Mensch allgegenwärtig im Segen des Herrn.

Bis an die Enden der Erde

So sehr die Krise wegen des Coronavirus die Menschen auch in die Isolation und den Tod treibt: Bis an die Enden der Erde und ans Ende aller Zeiten ist uns die Gegenwart Gottes zugesichert.

Das Gebet der Stunde

Leere Gotteshäuser überall. Doch wer kann die vielen zählen, die gerade jetzt sich sehnen nach der Gemeinschaft – und sie finden? Im Stillen den Herrn suchen ist nun das Gebot und auch das Gebet der Stunde.