Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch

Was heißt das?

Ist denn die Gefahr nicht allgegenwärtig in diesem Leben? Ist es nicht oft zum Fürchten und Verzweifeln: wenn wir nicht mehr weitersehen als bis zum vermeintlichen, schrecklichen Ende?

Dies ist unsere kleine und oft kleinliche Sicht im Leben. Es ist der Spuk, den uns der Verstand in den Sinn treibt. Wenn wir in Hochmut aller Angelegenheiten Herr sein und die Materie bemeistern wollen, wirft uns das auf das Menschsein zurück.

Ein Arzt in leitender Position sagte mir unlängst, als wir im Gespräch über schwierige Nachrichten für Patienten und Angehörige waren: Das alles ist an sich kein Problem, wenn man einen Glauben hat.

Ohne Glaube ist nur Gefahr, das Risiko allgegenwärtig. Es bleibt uns dann ja nichts außer unserer Begrenztheit und Ohnmacht. Beide sind so lange zum Fürchten, wie wir sie allein als Schwäche erleben.

Mit dem Bekenntnis zur Unkenntnis, wie es nun weitergehen soll, wächst das Rettende erst.

Mit der bewussten Unwissenheit über das, was kommen könnte, gehen wir weg vom Katastrophendenken hin zum Gewahrsein für Lösungen und Wege.

Mit dem praktizierten Glauben, der auch in der Anfechtung gelebt werden kann, offenbart sich ein Lebensbogen, der alle irdischen und kleinlichen Niederungen weiträumig überspannt und ausleuchtet. Er lässt Jahrzehnte zu Stunden werden und Abgründe zu schmalen Rissen, die zu übergehen sind.

Ein Sprichwort, dessen Herkunft mir nicht bekannt ist, besagt:

Wenn du ganz unten bist, dann bist du an der Quelle. 

Not macht erfinderisch. Weltlich betrachtet.
Größte Not hinter sich zu wissen, das lässt dankbar werden.

Darum sollen wir schon mitten in der Not danken: der Not zum Trotz.

Dieser Dank ist ein Ausdruck von Glauben, der keine Worte braucht.

Das Rettende wächst – und es wächst über uns hinaus, wenn wir das Zelt der Sorgen wegnehmen, unter dem wir uns verstecken.