Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst
Aber was ist, wenn ich mich selbst nicht liebe? Fragst du das?
Dann ist noch keine wahre Liebe in deinem Leben, sondern das Verlangen, andere sollten dir geben, was du dir selbst bislang versagst.
Darum: Wie dich selbst sollst du deinen Nächsten lieben.
Wie dich selbst. Das kann ich nur in diesem Sinne verstehen:
Liebe dich, lerne dich zu lieben. Dich in und mit allen deinen Schwächen, mit deinen Unzulänglichkeiten, Versäumnissen, deinen Vergesslichkeiten, den nicht gehaltenen Versprechen, den Vorwürfen und ja – besonders mit deiner bisher mangelnden Bereitschaft, dir selbst zu vergeben.
- Hinter all dem Unvollkommenen wird das auftauchen, was liebenswert ist über alle Maßen: dein Bangen, dein Hoffen, dein Wollen und Wirken, dein Lebenswille.
- Wenn du damit angefangen hast, wird es dir leicht fallen, auch deinen Nächsten anzunehmen. Und deinen Übernächsten.
- Du wirst nicht mehr so sehr damit beschäftigt sein, in deinem Nächsten die Fehler zu sehen, die du an dir nicht ausstehen kannst.
- Du wirst deinem Nächsten nicht mehr so weit hinterhertragen, was er an dir versäumt hat.
- Du wirst nicht mehr so sehr begehren, was dich begehrenswerter erscheinen lässt als nötig.
- Du wirst Ruhe finden in dir.
- Du wirst Zuversicht finden auch in der Dunkelheit.
- All das und noch viel mehr nährt sich aus der Liebe, die dein Schöpfer dir mitgegeben und aufgetragen hat.
- Liebe dich selbst in verzeihender, geduldiger und freundlicher Weise.
- Lade andere dazu ein, sich selbst zu lieben.
- Zeige ihnen ihre guten Seiten.
- Zeige nicht nur mit dem Finger auf die guten Seiten der anderen, sondern mit dem ganzen Arm, mehr noch: Wende dich ihnen voll und ganz zu und geh ein Stück mit ihnen, bring sie vom Abgrund der Selbstzweifel hin zur Küste, wo das Leben täglich seinen Anfang nimmt und immer wieder aus neuem Ende stürmisch entsteht.
Diese, deine Liebe wird auf deine Welt abfärben. Sie wird sich verbreiten wie der Wind, sie wird Frucht tragen an allen Anfängen und Enden der Tage.
So wird, wo bisher Vorwürfe, Selbstvorwürfe und Gewissensbisse dir den Sinn verstellt hatten, Liebe wachsen und gedeihen. Wie der Löwenzahn auf Schutthalden, an Straßenrändern und in verlassenen Fabrikgeländen in seinem Gelb erstrahlt.
Werde zum Löwenzahn mit Löwenmut.
Und vergib dir schon beim Aufstehen, was dir an diesem kommenden Tag womöglich nicht gelingt. Dann fällt es leichter, die guten Seiten dieses Tages mit ins Bett zu nehmen und in die Nacht des Tages.